Militante Veganer*innen und der Terrorismus

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wieder einmal ist Frankreich der Ort des Geschehens. Oder vielmehr: des Verbrechens. Denn hier wurde nicht nur vor einiger Zeit gesetzlich erlassen, dass Ersatzprodukte sich nicht mehr “Fleisch” nennen dürfen, sondern die Metzger klagen die Veganer*innen an, ihre Schaufenster zu zerstören. Die Wörter militant und Terrorismus fallen, wenn auch nur im Zitat. Das macht es nicht besser.

“Die Angriffe, die die Metzgereien, Fleischereien und die gesamte Branche erleiden, sind nicht mehr und nicht weniger als eine Art von Terrorismus.”

(Verbandspräsident CFBCT, Jean-François Guihard), Zitat aus der Frankfurter Rundschau

Militante Veganer*innen

Ich möchte hier keinen in Schutz nehmen, der fremdes Eigentum mutwillig zerstört. Meine grundlegende Meinung zu Vegan vs. Extrem kennt ihr. Der Sinn bzw. Gedanke hinter den Taten der Wandalen ist vermutlich, das Geschäftstreiben so zu schädigen, dass kein Verkauf von Fleisch (wenigstens temporär) mehr möglich ist. Oder sollen die vielleicht nicht versicherten Metzger so in den Ruin getrieben werden? Auf jeden Fall nutzen die Metzger hier schön ihre Position mit Verband im Hintergrund aus und drehen den Spieß aus Täter/Opfer auch um – die abertausenden Tiere werden vergessen, die da bisher gestorben sind. Auf der anderen Seite sind sie klar die geschädigten in ihrer Welt.

Ich verstehe beide Seiten. Die Metzger und Fleischer sehen das als völlig normal in ihrer karnistischen Welt an. Sie sind darin gefangen, denn es ist Normalzustand, Tiere in rauen Mengen zu verarbeiten und natürlich auch zu konsumieren. Auf der anderen Seite stehen die die Veganer*innen, die Tag ein, Tag aus, auf taube Ohren bei dem Rest der Bevölkerung stoßen und nicht aus ihrer auferlegten Ohnmacht rauskommen und sogar deswegen depressiv werden können, wie das neuste Buch von Melanie Joy „Beyond Beliefs“ belegt.

Wobei ich Aktionen perse natürlich nicht verurteilen will. Nur vielleicht so, dass keiner Schaden nimmt, sondern damit Aufmerksamkeit erzielt wird.

Extrem!

Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass ich die vegan lebenden Menschen damals auch nicht verstanden habe. Ist ja schon „extrem und unnatürlich“ – das waren zumindest meine Gedanken, wenn ich wirklich mal darüber ein paar graue Zellen habe walten lassen. Aus jetziger Sicht kann ich die Veganer*innen natürlich sehr gut verstehen, ich bin ja einer von ihnen. Da man zum guten Überleben in unseren Breitengraden keine tierischen Nahrungsmittel braucht, ist jedes Leid an Tieren eins zuviel. Und wenn man mit Reden nichts erreicht, dann müssen irgendwann Taten folgen.

Allerdings: Wieso packt man da bei den Metzgern an? Wieso überzeugt man nicht die Käufer aka. Konsumenten, dass diese einfach kein oder wenigstens weniger Fleisch einkaufen? Vielleicht nicht mit „Ich mach euch und eure Sachen kaputt“, sondern mit „Ich führe euch zur Wahrheit und ihr merkt es nicht einmal“ wie einer meiner Lieblings-Youtuber Earthling Ed. Dann müssen die Metzger auch zu machen, weil keiner mehr vorbei kommt und einkauft. Dass das Fleisch dort glücklicher gelebt hat und gestorben wurde, kann mir keiner erzählen.

In den Kommentaren geht es weiter. Die Dummbeutel der Nation zerreißen sich die Mäuler mit den üblichen, undurchdachten Phrasen “Mangelerscheinung bei den Tätern”, “Komplett irre, militante Veganer”, “statt auf kleine Metzgereien lieber auf große Schlachtbetriebe gehen”, “Gebt denen mal nur Wasser und Schweinebauch im Knast zu essen” und natürlich wird der “militante Veganer” mit religiösen Fanatikern verglichen.

giphy_sarcastic_slow_clap_2.mp4
(c) giphy

Gut gemacht, ihr Vollidioten. Ja, euch militante Veganer meine ich! Auch wenn ihr das aufgrund der Sprachbarriere wohl nie lesen werdet. Wieder einmal tretet ihr die Überzeugungsarbeit eurer Mit-Veganer*innen mit Füßen mit diesen Aktionen. Ihr trefft damit also doppelt die Falschen, und überzeugen lässt sich so auch keiner. Das nächste Mal, denkt bitte vorher drüber nach, so grausam das alles auch ist.

Und ich meine, Veganismus ist überhaupt nicht extrem.

Artikel bei der Frankfurter Rundschau

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei