Veganer*innen sind schuld an der Ausbeutung in Indien!

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Und wieder schreibe haue ich mit einem Mund voller Kotze in die Tasten. Es ist schon wieder passiert. Veganer*innen werden wieder mal als Strohmänner ausgenutzt, denn – festhalten – wir sind verantwortlich für die Ausbeutung in Indien.

Metro Screenshot Cashew Indien Arbeiterinnen Ausbeutung

Ich möchte natürlich hiermit keine Schuld komplett von uns weisen, aber Metro.co.uk hat wieder einmal einen guten Sündenbock gefunden und schreibt das auch gleich in die Überschrift. „Frauen in Indien zahlen den Preis für Cashew-Nachfrage mit Veganerinnen-Zuwachs“.

 

Nicht mehr nur Soja, Mandeln, Avocados, Chia, Quinoa und Co, sondern nun auch noch Cashews.

Das kommt nicht von Metro selbst, sondern vom Daily Mail. Die sind immerhin so seriös und packen das nicht gleich in die Überschrift. Sie weisen darauf hin, dass es eine Korrelation (keine Kausalität) zwischen der Cashew-Nachfrage und der wachsenden Zahl von veganen Menschen gibt. In den vereinten Königreichen (UK) ist der Absatz zwischen 2012 und 2016 um 35% gestiegen.

Das Cashew-Problem

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Cashew-Früchte mit Kernen

Cashews sind ohne Frage leckere Nüsse. Wobei, eigentlich sind es Kerne. Sie sind tolle Nährstofflieferanten für Magnesium, Kalium, Eisen, Zink und den allseits mangelnden Proteinen.

Das Problem: Cashewkerne lassen sich sehr schwer gewinnen. Sie haben 2 Schalenschichten und sind nur oer Hand zu knacken. Außerdem beinhalten diese Schalen Stoffe, die beim Menschen Verbrennungen verursachen können, wenn man keine Handschuhe trägt. Und Arbeitsschutz wird in den Hauptgewinnungsländern Indien und Vietnam nicht gerade groß geschrieben.

Die Kerne werden gerne für Käse-Alternativen genutzt, aber auch Milch wird daraus genutzt. Oder einfach als Snack. Im Studentenfutter zum Beispiel.

So weit, so richtig, so traurig.

Aber!

Was beim Daily Mail allerdings nicht bemerkt wird: So scheiße die Ausbeutung und die Arbeitsbedingungen sind, so wenig betrifft das (nur) uns Veganer*innen.

Ich möchte hier nochmal betonen: Klar, essen wir auch Cashews. Aber nicht, weil wir vegan leben und sonst die Nährstoffe nicht bekommen oder wegen einem geheimen Vertrag nur noch exotische Sachen essen dürfen.

Fair Trade Kakao Kaffee Cashew pix 2608928Das Problem ist vielmehr das gesteigerte Bewusstsein der Menschen über gesunde Nahrungsmittel. Da kommen exotische „Superfoods“ gerade Recht. Auch die umweltfeindliche Avocado wird immer mehr gekauft, aber nicht von den 1% Veggies in Deutschland. Dafür würde kein Supermarkt die Regale füllen, sonst gäbe es gar keine Tierprodukte mehr bei Aldi, Edeka oder Kaufland. Es ist ein Trend, sich gesund zu ernähren. Das ist erstmal nicht verwerflich. Dass dabei Menschen ausgebeutet werden, ist leider alltäglich. **Kaffee, Kakao (und damit jede Schokolade), Tee, Bananen, Mandeln, Haselnüsse** … alles ist scheiße für die erzeugenden Arbeiter*innen.

Hier hilft nur: Gar nicht konsumieren und andere aufklären. Oder aber: Bewusst und aus einer Quelle mit strengem Fair Trade und Bio-Siegel kaufen. Vor allem aber, nicht täglich konsumieren. Auch wenn ich diese Argumentationsweise bei Mischköstlern mit ihrem „Bio-Fleisch vom Bauern nebenan“ verachte muss ich sie hier auch ziehen. Wohlgemerkt mit dem Unterschied: Es stirbt erstmal kein Tier. Seit ich von dem Missstand weiß, beziehe ich wegen schlechtem Gewissen Kaffee nur noch von sozialen Projekten mit Kleinbauern, da kostet 200g Kaffee auch mal 10 Euro. Immer noch billiger als im Café.

Wir müssen alle umdenken. Aber alles auf Veganer*innen schieben entbehrt jeder Logik. Wie auch diese unnatürlichen Supplementem. „Die Regale voller Vitaminpillen in Apotheken und Drogerien seit den 1950ern wurden für die Pflanzenköstler angelegt“ … ja nee, is klar. 😉

Also liebe Medien

Macht mit und schreibt doch mal etwas rationaler und sucht nicht den Sündenbock immer bei der Bewegung, die ihr vielleicht nicht einmal versteht. Ich schaue in eure Richtung, liebe Bild-, Focus-, Stern-, FAZ-, TAZ-, Zeit- und SZ-Redakionen. Ihr seid zumeist doch echte Journalisten. Zumindest stehen die meisten von euch in Listen, die das behaupten. Das könnt ihr besser. Oder solltet ihr zumindest.

Ich bin gespannt, wann die ersten deutschen Medien (und Anti-Veganer) auf diesen Zug aufspringen. Es wird kommen. Wobei, es ist nicht so dolle ökologisch verwerflich, vielleicht wird es ja auch wie bei den anderen Sachen unter den Tisch gekehrt.

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