Veganer Ernährungsberater – sinnvoll für angehende Veganerinnen?

Vermutlich hast du schon einmal von der Influencerin Bianca Heinicke (ehemals Bianca Claßen) gehört. Sie ist der Mensch hinter BibisBeautyPalace auf Instagram und Youtube. Die Influencerin war über ein Jahr aus der Öffentlichkeit entschwunden und kommt nun mit neuem Konzept wieder: Sie hat zum Veganismus gefunden. Ob das gut geht? Und warum werden plötzlich alle veganer Ernährungsberater?

Eine Meinung von einem veganen Ernährungsberater. 😉

Bibi goes Veganismus

Bei mir hinterlässt es immer einen faden Beigeschmack, wenn Influencer:innen den Veganismus entdecken und dann ihren Content darauf ausrichten. Mit schicken Bildern wird dann ein Lifestyle suggeriert, der zwar mit Veganismus grundlegend vereinbar ist, aber eben noch die Portion Glitzer dazupackt: Schicke Schüsseln gefüllt mit exotischen Früchten (aka Bowls) an malerischen Stränden auf Bali oder anderen exotischen Orten. Dazu ein Schluck Yoga und eine gute Prise wissenschaftsferne Esoterik und fertig ist das „vegane“ Potpourri.

Und das ist auch dann das, was bei der breiten Masse hängen bleibt: Vegan = exotisch, fancy und teuer.

Das Veganismus ein Ding für den Alltag für fast alle Menschen in unseren Graden wäre, kommt dann aber selten rum.

Grundlegend möchte ich ihre Entscheidung aber nicht madig machen. Denn Veganismus ist für mich eine gute Sache. Ich hoffe nur, dass es bei ihr nicht ins Abstruse abdriftet oder einfach nur ein Deckmantel für Influencer-Dinge ist, weil es sich halt gut in Szene setzen und damit verkaufen lässt.

Aber sie „studiert“ ja auch gerade. Vegane Ernährungsberatung.

Zugegeben, ein sehr nachvollziehbarer Schritt. Sie ist seit 2018 Mutter und hat vermutlich daduch wie so viele den Denkanstoß mit der Muttermilch bekommen. Und vermutlich hat sie in ihrer Auszeit endlich weiter darüber nachgedacht und versucht nun, daraus die individuell richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Worauf sie am Ende damit hinaus will, wird sich noch zeigen.

Ich bin auch zertifizierter, veganer Ernährungsberater.

Und ich würde es nicht empfehlen, das aus veganer Überzeugung auch zu „studieren“.

Veganer Ernährungsberater: Wieso, weshalb, warum?

Du hast genug von deinem Job und deinem Leben, hast kürzlich den Veganismus für dich entdeckt? Dann änder‘ dein Leben und werde Vegane:r Ernährungsberater:in.

Es gibt verschiedene Fernschulen (nicht -unis), die dieses „Studium“ anbieten. Es ist kein Studium im akademischen Sinne, also am Ende ohne anerkanntne Abschluss, sondern lediglich mit einem schulinternen Zertifikat. Wenn für dich ein Studium „nur“ das wissenschaftliche Lernen neuer Inhalte ist, dann könntest du das Wort dafür nutzen.

Die Sache hat gleich mehrere Haken: Der Beruf „Ernährungsberater“ ist genau so wenig geschützt wie auch z.B. Coach oder Journalist:in. Jede:r kann sich so nennen. Es braucht dazu keinen zertifizierenden Abschluss. Das schulinterne Zertifikat bedeutet auch nicht automatisch „kompetent“, sondern nur, dass jemand für den Lehrgang gezahlt hat und die Abschlussprüfung bestanden hat. Wie gut die Schule („Fernuni“) tatsächlich ist oder wie sinnvoll die Inhalte sind, steht nicht dabei.

Wo Bianca nun studiert, ist jedoch unklar.

Zu meiner Erfahrung.

(c) screenshot ecodemy.de

Ecodemy

Wenn ich mich nicht täusche, ist Ecodemy der erste Anbieter in Deutschland gewesen, die diesen Lehrgang „Veganer Ernährungsberater“ angeboten haben. Ich war einer der ersten „Studierenden“ dort und habe damals noch bedeutend weniger gezahlt. Und ich war perfekt in der Zielgruppe: Frustriert vom Job und erschlagen von den mehr oder weniger neuen Erkenntnissen aus veganen Kreisen. Ich habe zwar schon länger vegan gelebt, aber die Infos schwappten damals etwas langsamer auf mich ein. Letztendlich habe ich dann die etwa 1000€ locker gemacht und das Zertifikat abgeschlossen.

(Übrigens ist das keine Werbung von oder für Ecodemy. Nur ein Erfahrungsbericht.)

Mein Resümee aus jetziger Sicht: Die meisten „Studierenden“ geben viel zu viel Geld aus.

Wer wirklich danach andere in Sachen Ernährung beraten möchte, lernt dort viel. Inhaltlich kann ich wenig Schlechtes sagen. Ich empfand es als umfassend und wissenschaftlich fundiert und nachprüfbar.

Allerdings ließen viele Videos (es ist eine Fernschule) in Sachen Moderationsqualität oder Schnitt zu wünschen übrig. Leider ist das interne Forum auch an einigen Ecken mit Schwurbelthemen aus der Heilpraktikszene durchzogen gewesen. Das empfand ich als sehr unwissenschaftlich. Aber vielleicht bin ich da auch zu streng? Du entscheidest.

Ich bin am Ende nie hauptberuflich veganer Ernährungsberater geworden, weil ich ein Problem hatte: All das Wissen gibt es eigentlich auch in Büchern.

Wer sich also nur pflanzlich ernähren möchte und fundiertes Wissen sucht, ist mit den Büchern von Markus Keller und Edith Gäthjen und vielleicht oben drauf noch Niko Rittenau sehr gut beraten. Es kostet nicht einmal ein Zehntel. Außerdem darf man als Ernährungsberater:in nicht über die Krankenkasse abrechnen. Heißt: Menschen müssen alles aus eigener Tasche bezahlen.

Wer aber wirklich krank ist, ist bei einer/einem Ernährungswissenschaftler:in (Ökotropholgie) günstiger (weill von Krankenkasse gezahlt) und vermutlich auch noch vom Wissensstand besser aufgehoben.

Mittlerweile teurer (c) screenshot ecodemy.de

Bibis Plan könnte aufgehen

Der Unterschied zwischen Bibi und mir: Sie hat Millionen Menschen, die ihr auf Social Media pfolgen. Ich würde über den Blog nichts verkaufen. Ihr Geldmodell basiert allerdings darauf, Dinge an Menschen erfolgreich zu verkaufen. Und das kann sie. Ob man es nun gut findet, oder nicht.

Ich hoffe trotzdem, dass angehende Veganer:innen ihr Geld lieber in Bücher investieren, als eine vegane Ernährungsberatung. Oder die Ausbildung dazu. Es ist aber wohl auch eine Typsache, ob man sich Wissen lieber von anderen „Kompetenten“ vorkauen lässt, oder sich aus verschiedenen Quellen selbst Dinge anliest.

Am Ende ist es wie immer „you do you“.

Trotzdem wünsche ich ihr alles Gute mit dem neuen Weg.

Hoffentlich driftet sie nicht demnächst in die Esoterik- und Yoga-Schwurbelei ab. Ich trau‘ mich aus Angst vor wiederkehrender Enttäuschung der Gattung Influencer gar nicht, genauer hinzusehen. Vermutlich findet sich nur alzubald genau solcher Inhalt bei ihr.

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