Bio meinen, vegan schreiben

Lesezeit ca. 4 Minuten

In ihrem Artikel über die Aussage vom Rapunzel- und Zwergenwiese Chef kritisiert Mira Landwehr auf ihrem Blog den Konsumboykott(aufrufen) von deren Produkten. Und macht ganz nebenbei ihrem Unmut gegen die Veganer_innen Luft, obwohl das in dieser Diskussion um ein ganz anderes Thema geht.

Vorgeschichte

Der Gründer von Rapunzel Naturkost und Zwergenwiese, Joseph Wilhelm, hat ein Statement auf der Homepage veröffentlicht. Dieses ist nach medialer Aufmerksamkeit (“Shitstorm”) wieder offline, aber das Internet vergisst glücklicher weise nicht. Hier und hier wurde es gesichert. Kurzfassung: Es gibt Sozialdarwinismus, Impfkritik, Abtreibungskritik, Verschwörungsmythen und andere Relativierungen.

Eine Auseinandersetzung mit den teils wirklich kruden und menschenfeindlichen Aussagen gibt es von 4lert4 auf Twitter und bei der TAZ.

Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme von Rapunzel und Wilhelm selbst. Allerdings wird auch hier Impfen relativiert (gehört fast schon zum guten Ton unter “Bio-Menschen”) und überhaupt war das laut Wilhelm “alles nur für den internen Gebrauch gedacht” – als ob es auch nur eine Aussage davon minimal besser macht?!

Ist der Konsumboykott von Produkten der Firma Rapunzel und Zwergenwiese gerechtfertigt?

Grundlose Seitenhiebe auf Veganismus

Mira Landwehr, einerseits von mir geschätzte Bloggerin und Autorin von diversen Artikeln in der Konkret über ökofaschistische Bewegungen (zB. über Anastasia), auf der anderen Seite hat sie sich bei mir mit ihrem Buch “Vier Beine gut, zwei Beine schlecht” keinen Gefallen getan, denn sie zieht aus wenigen (und nicht verallgemeinerbaren) Beispielen Schlüsse auf eine ganze Szene oder bringt gleich gar keins – ziemlich wenig, wenn die Szene nur so davor strotzen soll.

Auch in dem neuen Beitrag gibt es trotz des Themas “Bio” direkt schon im Textauszug unter der Überschrift einen unnützen Seitenhieb auf die vegane Szene.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Corona das menschenverachtende Gedankengut, das in Teilen der (auch veganen) Bio-Branche vorherrscht, noch sichtbarer machen würde.

Natürlich gibt es in der Bio-Szene auch Veganer_innen. Vermutlich ist der Großteil der Bioszene wie in der Allgemeinbevölkerung aber omnivor, vermutlich gibt es da auch noch krudere Beispiele. Wieso werden die “normalen” Mischköstler von ihr nicht negativ erwähnt, obwohl das gesellschaftlich viel präsenter sein sollte? (Spoiler: Vermutlich, weil es nicht aufregt.) Warum wird bei “Rapunzel” von ihr so schnell der Bezug auf “vegan” gemacht?

Veganismus und andere Spielarten des ethischen Konsums sind bloßer Ablasshandel für ein ruhiges Gewissen – für Leute, die sich das leisten können.

Eigentlich geht es um Bio, sie stellt daraus aber wieder mal einen Bezug zum “Veganismus” als “Konsumkritik” her, der wie Bio damit nicht mehr ein Ablasshandel sein soll. Leider fehlt ein konkreter Beleg, dass sich der Veganismus als “Konsumkritik” versteht. Sicher wäre das in einem Blog keine Hürde, da einen Link oder eine Fußnote hinzupacken. Das gleiche Problem, wie auch in ihrem Buch: Es fehlt der manchmal einfach wenigstens ein Beleg.

Auch Ruediger Dahlke, der sich seit rund zehn Jahren als veganer Ernährungsratgeber verdingt, verbreitet den Irrglauben, man könnte sich und die Welt durch Ernährung und bewussten Konsum retten, mehr noch: erlösen.

Er (Rüdiger Dahlke) betitelt sich selbst auf seiner Homepage (absichtlich nicht verlinkt) als Arzt, Autor und Seminarleiter. Sie macht daraus einen veganen Ernährungsberater – der er sicherlich auch zum Teil ist, bzw. pflanzliche Ernährung mit Germanisch Neuer Medizin und anthroposophischen und homöopathischen Ansichten (in Büchern und Seminaren) vermischt und daraus “Vegan” macht, weil es sich besser verkauft und sowieso in Deutschland keine echte Unterscheidung gibt. Mit dem “Veganismus” als ethische Lebenseinstellung hat das nichts zu tun, auch wenn solche Meinungen gerne mit da rein gepackt werden.

Rapunzel Boykott Landwehr
(c) Auf dem Nachttisch Blog

Das fällt Mira Landwehr leider (immer noch) nicht auf. Vielmehr reicht es für weitere Argumente zur Verallgemeinerung und themenfremden Seitenhieben. Da sind andere Medien und Publizisten weiter. Nur weil ich beispielsweise behaupte, ich wäre Buddhist und spreche damit automatisch für alle anderen Buddhisten, stimmt das noch lange nicht. Weder das eine, noch das andere.

Dahlke fällt immer wieder durch wissenschaftlich nicht haltbare Aussagen auf. Zuletzt natürlich auch zur aktuellen Corona-Pandemie, ein gefundenes Fressen für die Esoteriker (und Co), damit auch der Gründer der Bio-Marke Rapunzel, der sich und die Marke eindeutig damit “geoutet” hat.

Aber, sollte ich wegen der Aussagen nun …

Rapunzel boykottieren?

Funktioniert Konsumboykott überhaupt?

Zwei Stimmen gibt es dagegen, stichhaltig argumentiert und anhand der Beispiele auch überzeugend. Das linke Spektrum, damit auch Landwehr, sieht den Kapitalismus als Grundübel. Deswegen ist auch jeder Konsumboykott nutzlos, denn “das System” findet neue Wege, dir Geld aus der Tasche zu ziehen oder die Welt auszubeuten. Bei ihr reicht es immerhin zu einem “Jein”, denn:

Dem Einzelnen, bzw. der Marke, würde es aber wohl sicher schaden. Die Rechnung finde ich einfach: Kauft keiner mehr Rapunzel, gibt es kein Geld mehr für die Firma und die Händler bestellen nichts nach. Firma geht pleite. Fertig ist die Laube.

Dazu müssten aber alle mitmachen.

Dass der kritikwürdige Kapitalismus und die “soziale” Marktwirtschaft einen neuen Weg finden werden, will ich nicht bezweifeln. Bis dato habe ich aber noch kein Greenwashing wie bei A. Klaus Peter Hildmann (Achtung: Springer-Link) bei den Händlern gefunden – vermutlich ist die Blase zu klein, die über den “Fehltritt” berichtet.

Also, Rapunzel-Konsumboykott? Für mich: Auf jeden Fall. Ich komme nicht damit klar, wenn ich eine Firma mit menschenverachtendem und wissenschaftsrelativierendem Gründer unterstütze, so gern ich die Marmeladen und Nussmuse von Zwergenwiese auch mag. Dem Kapitalismus tritt das sicher nicht in den Hintern, das ist eine andere Baustelle.

Konsequenz bei Mira Landwehr?

Mira wird sich, wie bereits bei der Kritik auf ihr Buch, in ihrer Facebook-Blase oder ihrem Blog über Kritik belustigen oder einfach wieder nur das “Getroffene Hunde”-Argument bringen, das jegliche Kritik ins Lächerliche zieht oder ihre unsachlichen Argumente stützt.

Selbst Colin Goldners lange und gut fundierte Kritik wurde nur als “Indiskutabel” zitiert und nicht einmal verlinkt. Dann mache ich das stellvertretend.

Leider erlaubt sie auch keine Kommentare auf ihrem Blog. Lest ihren Beitrag trotzdem.

Was ist mit dir? Machst du einen Rapunzel Konsumboykott?

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Martin
20. Mai 2020 09:39

Das doofe ist, ich kenne keinen anderen Hersteller von großen Gläsern Mandel-, Cashew- und vor allem Haselnussmus. Gerade von Haselnussmus habe ich generell noch keine anderen Gläser gefunden und selbst die von Rapunzel sind oft schwer zu bekommen. Da fällt ein Boykott ziemlich schwer…

hajo
Reply to  Nutripunk
22. Mai 2020 15:29

Boykott, auf jeden Fall! Gerade der Vergleich der Schwangerschaftsabbrüche mit den Corona-Opfern ist extrem übel und hat mich dazu bewogen, mein Einkaufsverhalten zu überdenken. Heute beim Wocheneinkauf blieben Zwergenwiese und die anderen Rapunzel-Produkte im Regal stehen, es gibt immer Alternativen.

VXV
19. Mai 2020 20:43

Landwehr hat stilistisch leider zu viel von Dittfurth mitgenommen. Beide schlagen über die Strenge und verunglimpfen ganze Vereinigeungen afgrund weniger Mitglieder, wie es Goldner meinte, Schmierinfektion durch bloße Teilnahme. Es ehrt dich, dass du dich mit ihr befasst, aber ich sehe da keinen grünen Zweig. Sie macht sich maximal über dich lustig oder fängt an, dich zu flamen.

Rapunzel: “Auch andere Väter haben schöne Töchter.”

Winter
19. Mai 2020 19:27

Sicher nicht wegen so einem Schwachsinn Dafür mag ich den Mandelmus viel zu sehr🤣