Achtung: Medizin ist oft nicht vegan!

Vegan Leben ist schon nicht so einfach. (Meinen manche!) Es gibt abgesehen von der Ernährung zusätzliche Baustellen: Kosmetik, Hobbys, Kleidung – und auch die Medizin bzw. Medikamente. Ich zeige dir, wo es Probleme für vegan lebende Menschen gibt und wie du mit nicht-veganer Medizin umgehen solltest.

Medizin: Tierversuche und tierliche Bestandteile

Die Situation ist durchwachsen. In der modernen und wissenschaftsbasierten Medizin spielen tierliche Bestandteile eine oft unterschätzte Rolle. Auch „alternative Methoden“ ziehen oft Tiere mit Mitleidenschaft – Naturheilkunde oder (nicht über den Placebo-Effekt wirkende) Homöopathie verwenden fast noch öfter Produkte vom Tier. Auch wenn im Endprodukt davon nicht mehr viel zu messen ist.

Moderne Medizin nutzt „Tier“ oft als Trägerstoff, etwa in Impfungen oder Tabletten, als Hülle in Kapseln oder in den Laboren als Basis zur Vervielfältigung der wirksamen Stoffe.

Sollte ich nicht-vegane Medizin vermeiden?

Hast du dich schon einmal gefragt, ob du Medikamente nutzen solltest, auch wenn darin Stoffe von Tieren enthalten sind? Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden die Bestandteile auch an Tieren getestet. Impfungen sind vegan auch eher selten.

An dieser Stelle rufe ich uns noch einmal die Definition der Vegan Society ins Gedächtnis:

„Veganism is a philosophy and way of living which seeks to exclude—as far as is possible and practicable—all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose; and by extension, promotes the development and use of animal-free alternatives for the benefit of animals, humans and the environment. In dietary terms it denotes the practice of dispensing with all products derived wholly or partly from animals.“

Sinngemäß übersetzt: Vermeiden, was geht und Sinn ergibt. Immer nach Alternativen suchen. Gibt es keine: Zugreifen.

Ich würde noch hinzufügen: Zugreifen, wenn es keine Alternative gibt UND du das Medikament wirklich brauchst. In Notfällen auch im Zweifel immer rein damit. Auch bei Prävention von Krankheiten durch Impfungen.

Gegen Tierversuche können wir leider nichts unternehmen. Die Rechtslage spielt (noch) der Qualindustrie in die Hände. Aber die Ärzte gegen Tierversuche sind dran. Zudem benötigen einige Bestandteile, die seit Jahren gut erforscht sind keine neuen Tests an Tieren. Immerhin.

In der Apotheke oder im Internet kannst du immer zu erst nach einer Alternative fragen. Tabletten (Ibuprofen, Paracetamol und Co.) gibt es auch ohne Laktose oder Talg (nicht mit Talk verwechseln). Kapseln gibt es auch ohne Gelatine oder Bienenwachs und Cremes ohne Wollwachs bzw. Lanolin.

Tipp: In der Apotheke sagen, dass du vegane Medikamente suchst und die Zusatzstoffe auf die Allergieliste in deren Computersystemen setzen lassen.

Notfall Krankenhausbett
Krankenhausbett: Ab hier solltest du tierleidfreien Dogmatismus überdenken

Leitfaden für vegane Medikamente

Mache immer den Kurzcheck:

  1. Stirbst du eventuell oder leidest sehr, wenn du die Medizin nicht nimmst?
    • Immer rein damit. Danach trotzdem nach Alternativen suchen.
  2. Ist es gegen ein temporäres, alltägliches Leiden?
    • Wie wäre es mit einem Wandel statt andauernder Symptombehandlung?

Etliche Leiden wie Rückenschmerzen, Tinnitusse, Kopfschmerzen und Co sind oft selbst verursacht. Schlafmangel? Bewegungsmangel? Stress? Schlechte Luft im Büro? Einseitige Bewegung/Belastung? Schlechter Schreibtisch? Andauernder Lärm?

Ein radikaler Wandel birgt hier oft Wunder. Radikal heißt nichts Anderes, als Etwas an der Wurzel zu packen. Wenn dir selbst nichts an dir auffällt: Frage doch mal wohlgesonnene Menschen in deiner Umgebung.

Natürlich kannst und solltest du bei Leidendruck auch deine Medikamente gegen die Symptome nehmen. Und wenn es mal ohne Tier nicht geht, ist das eben so. Dadurch wirst du auch nicht automatisch nicht-vegan oder verlierst deine geheimen Veganerkräfte. Aktivistisch darfst du trotzdem sein.

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Sophie

Es tut so unglaublich gut, dieses Blog zu lesen! Es gibt wenige, die nicht nur Provegan argumentieren, danke! 🙂