Was is(s)t ein Flexitarier?

In den „sozialen“ Medien oder sog. Nachrichtenmagazinen fällt neuerdings ein Buzzword in den Kommentaren immer wieder: Flexitarier. Doch wer oder was sind Flexitarier? Was zeichnet sie aus und warum bezeichnen sich immer mehr Menschen so? Ist das nur ein Hype?

Flexitarismus vs. Veganismus

Ich bin auf den Begriff bereits in meinem veganen Lexikon eingegangen, da diese Bezeichnung gefühlt mit dem Hype des Veganismus auch an Aufwind gewonnen hat. Google Trends bestätigt das nicht. Während Veganismus für Google schon länger ein relevantes Thema ist, kommt Flexitarismus aber erst seit 2010 so richtig in Fahrt. Tendenz: Sachte steigend.

Doch erst einmal zur Definition:

Was ist ein Flexitarier?

Flexitarier sind Mischköstler, bzw. Omnivoren, die bewusst wenig tierische Produkte (vor allem Fleisch) essen und auch vegane Mahlzeiten bewusst in ihre Ernährung einbauen. Sie achten zudem (laut eigener Aussage) meist zusätzlich auf Herkunft und Qualität des Fleisches.

Meiner Meinung nach sind das die, die sich in den „sozialen“ Medien mit „ganz selten Fleisch“ hervortun. Es macht sich statistisch in Deutschland aber nicht wirklich bemerkbar, dass es angeblich immer mehr werden. Laut DGE sind es Ovo-Lacto-Vegetarier, die ab und zu Fleisch essen – und viele Menschen in Deutschland seien es unbewusst. Ein Indiz für „normales Omni-Dasein“?

Sie wissen, dass ihre Handlungen beim Fleischkauf falsch sind. Und sie tun es trotzdem. Und zusätzlich sind sie neben den bewussten bzw- Bio-Kaufenden die Kernzielgruppe von vegetarischen und veganen Ersatzprodukten. Eine ethische Basis steckt vielleicht nach eigener Aussage dahinter, wirklich konsequent finde ich das aber nicht. Nur ein bisschen Töten. Viele tun es für Umwelt oder die eigene Gesundheit. Ein befreundeter Psychologe meinte, dass sich Menschen mit dem Begriff eventuell auch weiter abgrenzen wollen. Etwas Besseres sein, sich damit in der Bubble profilieren. Und eben das Gewissen beruhigen, weil „man tut ja Etwas“.

Wie viele Flexitarier gibt es in Deutschland?

44% aller Deutschen bezeichnen sich als Flexitarier.

Zumindest meint das eine angeblich repräsentative und aktuelle Studie, auf die sich unter anderem ein Artikel bei der Hotel- und Gastronomiezeitung bezieht. Leider steckt der hinter einer Paywall. Daher kann ich auch nicht sagen, um welche Studie es sich handeln soll.

Fleischatlas 2021 Junge MEnschen
Anteil 15-29 Jahre / (c) Bartz/Stockmar – Heinrich Böll Stiftung

Im Fleischatlas 2021 der Heinrich Böll Stiftung stehen andere Werte. 2019 sah das laut Statista noch anders aus. Und laut DGE sind es anteilig mit 12% auch deutlich weniger. ProVeg zitiert eine Studie von 2015 mit angeblich 56% Flexitarieren. Die von Veganz gibt nochmal ganz andere Werte – ein Schelm, wer wirtschaftliche Absichten dahinter vermutet. Auch die PHW-Gruppe (Wiesenhof und Co.) hat laut Top Agrar ein paar Zahlen erhoben. Dass ein weitgehend unkritischer Ersatzprodukte-Markt vorhanden ist, hat schon Rügenwalder bewiesen und findet reißenden Absatz. Fleischkonzerne halten gern die Hand auf, produzieren preiswert Ersatzprodukte ohne Tier und verkaufen diese teuer. Weniger Tierleid gibt es deswegen trotzdem nicht.

So ist das eben mit den Umfragen bzw- Studien. Würde ich eine Umfrage in meinem Dunstkreis machen, wären wohl mehr vegan unterwegs und niemand würde sich als „Flexi“ bezeichnen. Also immer Vorsicht mit den „repräsentativen Umfragen“ oder zumindest mal dahinter schauen, wo die Daten herkommen. Das aber nur am Rande.

Sollte ich Flexitarier werden?

Fragst du dich, ob du Flexitarier sein solltest, bevor du den nächsten Schritt machst? Ich sage: Nein.

Iss weniger Fleisch als ersten Schritt. Du fällst nicht direkt vom Fleisch. (hehe.) Überhöhe dich dann aber nicht mit der Bezeichung Flexitarier, sondern bleib einfach beim Omnivor. Dann belügst du niemanden und auch nicht dich – und wiegst dich nicht in Sicherheit, dass dein Handeln die ethische oder ökologische Spitzenleistung ist und ewig dabei bleibst. Es verschleiert das ethische Dilemma der Tierindustrie.

Selbst vegan werden und bleiben ist meiner Meinung nach ziemlich einfach. Schritt für Schritt oder ein radikaler Wandel – jeder braucht einen anderen Weg zum Ziel.

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