Ist vegan Luxus?

Lesezeit ca. 3 Minuten

Ist die pflanzliche Ernährung und die vegane Lebensweise wirklich ein Luxus? Immer öfter werden Stimmen aus den Kritikerreihen laut, die meine Lebensweise zu einem Luxusgut degradieren bzw. erheben. Aber stimmt das?

Luxus

Wikipedia meint dazu (aus dem lat.):

Verschwendung bzw. üppige Fruchtbarkeit. Verhalten, Aufwendung oder Ausstattung über das übliche Maß als der Lebensstandard in der Gesellschaft.

Du und ich, wir leben in einer Wohlstands- bzw. Überflussgesellschaft im einem kapitalistischen System. Da gibt es Angebote für die Menschen, die sich gern außergewöhnlich ernähren wollen. Die gibt es in jeder Ernährungsform. Exotisches Superfood ist ganz nett als Abwechslung, aber kein Muss. Auch nicht in der veganen Ernährung. Denn die kosten oft auch viel und haben lange Reisen hinter sich und wurden womöglich noch unschön angebaut. Das sind Dinge, die über den Lebensstandard hinaus gehen. Luxus.

Beispiel: Grünkohlchips von Veganz. Da können 100 Gramm auch mal 11€ kosten. Krass!

In unseren Breitengraden gibt es fast alles, was der Mensch begehrt. Das ganze Jahr. Das IST Luxus. Aber dazu gehören wir alle. Ob man nun exotische Sachen kaufen muss, oder nur regional/saisonal einkauft, ist jedem selbst überlassen. Alles außer saisonal und regional ist Luxus. Ob es nun von Pflanzen kommt, oder vom Tier. Exotische Superfoods braucht keiner zum Überleben. Und beispielsweise Hafermilch oder Mandelmilch sind schnell gemacht (jeweils eine handvoll und Wasser im Mixer und fertig) und kostet wenige Cent. Indien lebt zu über 60% vegetarisch oder vegan und ist definitiv kein reiches Land.

Du siehst: Essen kann Luxus sein. Pflanzliche Ernährung ist es von Haus aus nicht. Dank Globalisierung haben wir ganzjährig frisches Obst und Gemüse. Das ist Luxus, über den jeder selbst entscheiden muss – denn für’s (gute) Überleben braucht man es nicht. Und selbst lange Transportwege für Obst und Gemüse haben eine bessere Ökobilanz als lokales Fleisch. Das aber nur am Rande.

Wer die pfanzliche Ernährung über rare und exotische Produkte oder hochverarbeitete Fertigkost (Sojaschnitzel etc.) definiert, für den ist es natürlich teurer. Auch kostet „Bio“ etwas mehr, aber das ist eben kein Muss. Der Marktanteil ist (gesamt) gerade mal 5% in Deutschland, bei Fleisch keine 2%.

Eine Sozialerhebung eines Studierendenwerks hat laut FAZ herausgefunden (AdBlock-Blocker), dass vegane Student*innen im Schnitt 165€ für Essen im Monat ausgeben. Das ist nicht viel. Da wird frisch gekocht und auf Fertigprodukte verzichtet. Wer sich fertige Nahrung kaufen will, zahlt mehr und lebt damit im Luxus – und zwar unabhängig von der Ernährungsform. Laut dem Max-Rubener-Institut (Karlsruhe) gegben Vegetarier im Schnitt 215€/Monat aus, Mischköstler 260€.

Kind Hase Pixa 160933 2074153

Tiere nicht töten = Luxus?

Ist es wirklich Luxus, wissentlich auf Tierprodukte zu verzichten? Kein totes bzw. leidendes Tier zu verantworten? Weder zur Belustigung, Ernährung oder Anziehen? DAS ist doch eigentlich der absolute Überfluss … und damit Luxus. Man muss es aber nicht tun.

Denn: Der Mensch ist Mischköstler mit Hang zur pflanzlichen Kost. Auch du. Deswegen sind auch dein Gebiss und Verdauungstrakt so aufgebaut. Du kannst dich evolutionär bedingt extrem gut an deine Umgebung anpassen – auch an eine Ernährungsform. Ohne diese Anpassung wäre eine Evolution gar nicht erst möglich gewesen, sondern alle Vor-Menschen wären irgendwann ausgestorben.

Es gibt alle essentiellen Nährstoffe in Pflanzen, nicht aber in Fleisch. Also ist es kein Problem, auf das Luxusgut Fleisch zu verzichten, oder? Abgesehen von Vitamin B12 bekommst du alles – das wird übrigens auch in der Massentierhaltung zugefüttert.

Und wenn du jetzt meinst „Pflanzen können auch fühlen“: Nein können sie nicht. Sie reagieren auf bestimmte Reize, fühlen aber dank Nervensystem weder Schmerz noch Leid. Und es sterben mehr Pflanzen für die Massentierhaltung. Luxus, wenn man Pflanzen erst überhaupt veredelt und dann isst.

Ist es wirklich Luxus, nachweislich weniger Leid zu verursachen? Geht es uns wirklich zu gut, weil wir auf andere Acht geben?

4
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
neueste älteste
Benachrichtige mich bei
Rico
Gast
Rico

Super Artikel – schön, dass du das mal richtig stellst! Ich bin auch Veganer und „das ist Luxus“ oder „das ist nicht natürlich, weil du kein Vitamin B12 bekommst“ kann ich schon nicht mehr hören. Denn irgendwie scheren sich genau die Menschen, die das sagen, einen Dreck darum, ob sie sich in ihrer fleischhaltigen Ernährung irgendwie luxuriös oder unnatürlich ernähren. Ich kann mir die ganzen hochgradig verarbeiteten Produkte und CocaCola Flaschen in den ganzen Kühlschränken jedenfalls nicht anders erklären…Aber naja, wir wissen doch eh, dass das alles nur vorgeschobene Scheinheiligkeiten sind, die die Menschen davor bewahren, ihre Gewohnheiten hinterfragen zu… Weiterlesen »

Julian Brünig
Gast
Julian Brünig

Ich finde nicht das Vegan Leben ein Luxus ist. Wenn man weiß wie man auch günstig kocht / einkauft.
Es gibt günstige Methoden sich z. B Milch selber zu machen bzw ein Milch Ersatz der günstiger ist als die im Supermarkt. https://diezehneurowoche.blogspot.de/2018/02/1-l-milch-fur-30-cent-ist-vegan.html