Ist Veganismus eine Gefahr für die Gesellschaft?

Da stehe ich Nichtsahnend am Kühlregal, denke ganz unbedarft über die wenig schmackhafte Tofu-Eigenmarke der Handelskette aufgrund ihres viel günstigeren Preises nach, als sich ein Gespräch an der unweit platzierten „Frischetheke“ zu meinen Ohren bahnt. Was da gesagt wird, verschlägt mir den Atem! (Eigentlich nicht, aber es hat mich mindestens sprachlos zurückgelassen.)

Vegane Ernährung ist ungesund!

Ich stand nicht etwa im Discounter oder der riesigen Halle einer Großhandelskette, sondern in einem Bio-Laden. Die machen zwar die Welt auch nicht besser, führen aber die Tofu-Marke, die ich so gerne esse und haben schmackhaftes Gemüse aus der Region. Zwei gute Gründe für mich. Ganz nebenbei bekomme ich so über die hippen Schwurbelneuheiten der Bio-Menschen zu sehen und kann mich über die Preise nur wundern. Aber gut, wir leben nunmal in einer Gesellschaft, in der verkauft wird, wofür es Nachfrage gibt.

Bei all den alternativen Produkten hätte ich zumindest vermutet, dass auch die Menschen etwas progressivere Denke mitbringen. Eine Person, augenscheinlich in ihren 20ern, Haare teils zu langen Dreads gefilzt, sonst sehr ordentlich zurecht gemacht, weite Kleidung in Olive und Weinrot, darüber Tücher in Erdtönen und Batik, um den Hals eine Glaspyramide aus schwarzem Stein, Ringe und Ohrringe aus Malachit. Dazu ausgelatschte Lederschuhe – alles schreit „Öko“ an ihr. Ich kann mich aber auch täuschen.

Und dann die unbedarften Worte zur Person hinter der Theke: „Vegane Ernährung ist doch nicht gesund.“ Nicken auf der anderen Seite. Während die Worte im Raum wie ein Tischtennisball reflektiert werdenüberlege ich:

Stimmt, Eisen, Kalzium und diese anderen potenziell kritischen Nährstoffe … Anomi … Ano … Amorni … Eiweiße … die gibt es alle gar nicht in Pflanzen. Und dieses ominöse Vitamin B12 gibt es auch nur im toten Tier. Überhaupt, wie kann man nur behaupten, der Mensch sei Pflanzenfresser.

Doch ich komme nicht all zu weit, es ging direkt weiter.

Jede Woche wieder: Bauernfamilien werden wegen Veganismus wohnungslos (c) Jon Cellier / Unsplash

Veganismus verhindert Jobs!

Als wäre das noch nicht genug, redet die Person dann auch noch weiter mit „Veganismus verhindert Jobs“. Verhindert!

Du als vegan lebender Mensch verhinderst mit deinem Nur-Pflanzen-Leben, dass Menschen von ihrer harten Arbeit leben können. Wie kannst du nur?!

Sicher meint diese Aussage nicht die Tierindustrie mit Milliarden Tieren, die jährlich von der stummen Mehrheit gefordert unter unwürdigsten Bedingungen gezüchtet, gemästet und getötet werden. Sehr wahrscheinlich ist hier das vermeintlich glückliche Rind mit Hörnern auf der saftigen Wiese gemeint, das von einer Bauernfamilie geliebt wird und dann unter Liebe getötet wird. Diese arme Bauernfamilie und die daneben gebaute Schlachterei (schließlich dürfen geliebte Tiere beim Transport nicht leiden!) wurden wegen all der bösen veganen Menschen völlig sinnlos gebaut. Stehen nun leider leer. Verschwendete Ressourcen und mindestens zwei Familien, die nun vor dem Abgrund stehen und alternativlos ihr Dasein von nun an landstreichend und bettelnd führen müssen.

Die Welt ist schon ungerecht. Warum haben Bauern auch keine Alternative zur Tierindustrie? Und wieso werden sie von all den Veganer:innen überhaupt dazu gewungen. So mit vorgehaltener Pistole?

Und dann auch noch dieses ungesunde Obst und Gemüse … furchtbar. Wer will denn schon in solch einer Welt leben, in der nicht nur Tiere weniger leiden müssen und damit auch die Umwelt noch geschont werden könnte?

Schlimm. Alles Scheiße mit diesen Veganer:innen. Möchten Leid verhindern … tss.

Schadet Veganismus der Gesellschaft?

Hast du dir schon einmal Gedanken über das Thema gemacht? Was hält dich von einem veganen Leben ab? Vorurteile? Schadet Veganismus wirklich der Gesellschaft? Oder ist es vielleicht nur eine konsequente Entwicklungsstufe? Bis auf Ausnahmen eine sehr friedvolle Bewegung.

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