Ist der Mensch Fleischfresser, Allesfresser oder Pflanzenfresser?

Was ist denn der Mensch nun? Ist es unnatürlich oder gar ungesund auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten, wo doch unsere Vorfahren sich angeblich erst durch Fleisch so entwickeln konnten? Oder stimmt das alles doch nicht?

Fleisch oder nicht?

Schwupps, da ist es passiert. Man liest nichtsahnend einen Artikel bei SPON, ZON, Facebook und Co. und scrollt aus Versehen zu weit runter. Kommentarsektion! Grabenkampf zwischen Fleischbefürworter*innen und Veganer*innen – egal, ob es davor überhaupt um das Thema ging oder nicht. Keiner will vom Standpunkt abrücken und es werden mehr oder minder belegbare Argumente gezogen und auf der Meinung bis zum virtuellen Tod beharrt.

Dabei ist es doch so einfach!

Der Mensch ist von der Natur aus weder reiner Fleischfresser, noch reiner Pflanzenfresser. Er ist ein Allesfresser bzw. mit deutlichen Hang zur pflanzlichen Kost. Allesfresser heißt aber auch, dass er sich anpassen kann und auch nur von einer Sorte Nahrung leben kann, sofern die ihm alle Nährstoffe bietet.

Würde der Mensch nur Fleisch essen, würden ihm essentielle Nährstoffe fehlen. Völker, die sehr viel Fleisch essen, wie z.B. die Inuit, essen deswegen auch den Mageninhalt der Tiere mit. Dadurch nehmen sie die allernötigsten, pflanzlichen Nährstoffe auf. Mehr aber nicht. Studien zufolge sind diese aber nicht gesünder, sondern haben höheres Schlaganfallrisiko und eine 10 Jahre kürzere Lebenserwartung. Kann viel Fleisch der richtige Weg sein?

Nun könntest du behaupten, dass das andere Extrem, die pflanzliche Ernährung, ähnlich ungesund ist. Es wird in vielen Studien aber gezeigt, dass man dadurch das Risiko vieler Zivilisationskrankheiten minimieren kann. Ich bin ein lebender Beweis, dass die Ernährung auch Einfluss auf bestimmte Krankheiten hat, wie meine rheumatische Erkrankung. Da gibt es zusätzlich sicher noch andere Faktoren, aber die Ernährung ist meines Erachtens einer der Grundbausteine dafür. Und wenn auch die eigene Gesundheit nicht euer Vegan-Grund ist, dann doch hoffentlich die Tiere oder die Umwelt.

Geschichte

Neandertaler SteinzeitDer Mensch hat schon immer Fleisch gegessen“ oder „Ohne die Proteine im Fleisch hätte sich unser Gehirn niemals so entwickelt“ sind gerne gezogene Argumente der omnivoren Fleischbefürworter. Ich würde so weit mitgehen, dass der Mensch sich sicherlich langsamer bis „hierher“ entwickelt hätte, aber es ist auch im Gespräch, dass etwa bestimmte klimatische Bedingungen vielleicht sogar mehr Einfluss auf das Gehirnwachstum hatten.

Dass der Mensch schon immer Fleisch gegessen hat, ist nur teilweise richtig. Früher war der Mensch vor allem Sammler und selten Jäger. Jagen war extrem anstrengend und energieraubend ohne moderne Waffen. Viele Menschen waren daran beteiligt und mussten das Tier viele Kilometer verfolgen bis es dann endlich tot war. Das konnte auch mal ein paar Tage dauern. Die verbrauchte Energie konnte er nur schwer wieder reinholen. Vor allem deswegen hat der Mensch sich eher auf das Sammeln von Beeren und Nüssen konzentriert. Die laufen auch nicht tagelang vor einem weg.

Im Winter waren die durchaus mangelernährten Menschen aber auf tierische Eiweiße angewiesen, denn Beeren und Nüsse wachsen da nicht so gut.

Nur durch die extreme Anpassungsfähigkeit und die daraus folgende Evolution des Menschen ist es uns möglich gewesen, bis jetzt zu überleben. Im Sommer gabs nur das, im Winter nur das. Lagern war nur sehr, sehr bedingt möglich und sowas wie Ackerbau gab es damals noch nicht. Getreide kam erst viel Später dazu.

Nun ist es aber so, dass du aktuell auch im Winter Zugriff auf aberhunderte Pflanzen und deren Erzeugnisse hast und davon mehr als locker satt werden kannst. Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte in rauen Mengen. Fleisch dagegen wird maximal noch beim Discounter an der Frischetheke gejagt. Also ist das kein Grund mehr, Fleisch zu essen, oder?

Anatomie und Physiologie

Gebiss und Verdauung des Menschen unterstützten diese Argumente. Das Gebiss etwa hat keine Reißzähne, wie man es bei Fleischfressen vorfindet. Was viele damit verwechseln sind die Eckzähne, die man von Frugivoren (Früchteessern) kennt. Harte, grobe Pflanzenkost wie Wurzeln, Blätter, Früchte und Samen bzw. Nüsse stehen auf dem Programm. Die flachen Backenzähne zermahlen Nahrung, Fleischfresser haben auch da spitze Zähne.

Vergleicht mal selbt den Affen und die Raubtiere daneben:

Der Speichel im Mund ist dazu da, um Stärke aufzuspalten und nicht wie bei z.B. einem Tiger für tierische Proteine. Dazu kommt der Kiefer, der wie bei einem Wolf nicht nur auf und zu kann, sondern wie bei einer Kuh auch seitlich.

Im Magen hat der Mensch vergleichsweise wenig Salzsäure und Pepsine, da er kein rohes Fleisch, Knochen oder Muskeln verdauen muss. Und abschließend ist der Darm bei einer Katze kurz und glatt, bei einem Mensch lang und hat Tänien und Haustren. Da werden schwerer verdauliche Nahrungsbestandteile „abgestellt“, bis sie zersetzt sind. Oben drauf kann der Mensch auch nicht wie ein Fleischfresser Vitamin C selbst bilden. Ganz abgesehen davon: Der Mensch ist wie der Affe eher aufrecht statt waagerecht, um Früchte zu pflücken und nicht um schnell für die Jagd zu sein.

Brockhaus geht sogar klar weiter und beschreibt, dass der Mensch keinen angeborenen Tötungstrieb oder Jagdinstinkt hat. Sogar eine Tötungshemmung und Abscheuinstinkt vor Fleisch wird dem Menschen nachgesagt. Das alles spricht für mich doch sehr gegen tierische Kost.

Es gibt noch mehr Gründe allein von der Statur und Ausstattung, aber das würde sicher den Rahmen sprengen. Wer doch Interesse hat, kann mich gerne deswegen anschreiben. Dann füge ich hier mal noch den einen oder anderen Absatz hinzu.

TL;DR

Ja, rein pflanzliche Kost ist für den Menschen eine natürliche Möglichkeit, sich zu ernähren. Das hat die Natur genial eingerichtet!

6 replies on “ Ist der Mensch Fleischfresser, Allesfresser oder Pflanzenfresser? ”
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  2. Falsches Fazit. Der Eingangssatz dagegen ist richtig. Der Mensch ist weder ein reiner Fleischfresser noch ein reiner Pflanzenfresser. Eine gute Mischkost, sechsmal die Woche Gemüse und einmal Fleisch (oder Fisch, das Fleisch des armen Mannes) ist optimal. Dagegen sind sowohl der übermäßige Fleischkonsum als auch der Veganismus zwei Seiten derselben Medaille: die Perversion unserer Essgewohnheiten aufgrund unserer Überflussgesellschaft.
    Allein die Argumente sind in diesem Beitrag sehr einseitig. So wird zwar gut argumentiert, warum der Mensch kein Fleischfresser ist (die Tatsache, dass der Mensch keine Leichengifte verträgt, fehlt noch), aber völlig außer Acht gelassen, dass der Mensch ebenso kein Pflanzenfresser ist. Der Mensch kann keine Cellulose verdauen und sich nur von Gras ernähren. Unverträglichkeiten von Gluten zeigt, dass der Mensch auch nicht dazu bestimmt ist, Körner zu futtern. Der Mensch hat keine vier Mägen wie eine Kuh und auch kein ebensolches Gebiss (nur Mahlzähne), sondern eben ein Gebiss, dass Merkmale beider Gruppen aufweist, quasi das Pendant zum Ganzjahresreifen. Und auch der gezeigte Affe ernährt sich nicht nur von Bananen, sondern auch von Insekten, Würmern und kleineren Wirbeltieren. Ein typischer Allesfresser eben, genau wie der Mensch.
    Wenn man also ein richtiges Fazit ziehen will, dann kommt folgendes dabei heraus: Der Mensch ist ein Allesfresser und hat es dadurch geschafft, auch in Zeiten knapper Nahrungsmittel zu überleben. Unsere Überflussgesellschaft hat allerdings dazu geführt, dass viele Menschen zu viel Fleisch essen, was schlecht für Gesundheit und Umweltschutz ist. Daraus resultieren aber auch völlig überzogene Gegenmaßnahmen wie Veganismus, welcher zwangsläufig zu einer Mangelernährung (Stichwort Vitamin B12) führt und aufgrund der in hohem Maße konsumierten stark prozessierten Lebensmittel als ebenso schädlich anzusehen ist. Die beste Ernährung ist immer noch das selbst gekochte Mahl aus frischen Zutaten, die aus der Region stammen.

    1. Davon auszugehen, dass Veganer*innen im Übermaße die „hochverarbeiteten“ Ersatzprodukte essen, finde ich ziemlich vermessen und haltlos. Der meiste Absatz dieser „Sojawürste“ und Co. stammt von sog. Flexitariern und Umsteigern und nicht von den reinen Pflanzenfressern.

      Der Mensch ist Omnivor mit starkem Hang zur Pflanzenkost. In Zeiten der Nahrungsknappheit musste er zum Fleisch greifen, korrekt. Das ist aber nicht mehr der Fall. Die reine Pflanzenkost reicht völlig aus, um alle Nährstoffe zu bekommen. Spezialfall Vitamin B12: Das gibt es in den verspeisten Tieren nur, weil diese es mit dem Futter oder per Supplement selbst bekommen. Die paar Prozente (8%) Weidehaltung (weltweit) reicht sicher weder zur Deckung des Bedarfs an Fleisch noch an B12, und selbst da ist die Versorgung nicht gesichert, da genügend Kobalt in den Pflanzen gebunden sein muss, damit die Mikroorganismen im Magen arbeiten können.

      Woher hast du die Info, dass der Mensch Gluten nicht verdauen kann? Das ist ein Protein, dass der gesunde Mensch ohne Sensitivität oder Zöliakie ganz normal als Eiweißkette verdaut.

      Für mich hört sich deine Argumentation so an, als wäre sie von einer Paläo-Seite abgeschrieben.

      Der Mensch muss eben nicht – aber er kann. Wie du schon richtig bemerkst: Gras kann der Mensch nicht verdauen. Das heißt aber auch nicht, dass er deswegen Fleisch essen muss.

      Aus ethischer Sichtweise gibt es nur die eine, akzeptable Lösung. Dadurch treten aiuch keine gesundheitlichen Nachteile beim Menschen auf. B12 kann man statt den Tieren zu geben lieber selbst essen und erspart nicht nur deren Versorgung mit potenziellen Nahrungsmitteln, sondern auch den tatsächlich sinnlosen Tod eines fühlenden Geschöpfes.

      1. Trotzdem muss ich Nikioko Recht geben, die Argumente hier sind sehr einseitig. In vielerlei Hinsicht brauchen Menschen nunmal Fleisch, z.b bei Eisenmangel. Natürlich findet man Eisen auch in vielen pflanzlichen Produkten, allerdings gleichen diese das nicht annähernd so gut aus wie Fleisch und ist es ein starker Eisenmangel reicht es in manchen Fällen schon aus die Periode zu bekommen um Ohnmächtig zu werden. Wie wärs mit einem richtigen Vergleich und nicht nur einer objektiven Meinung?

        1. Eisen aus Pflanzen wird nicht so gut aufgenommen, das ist korrekt. Das heißt aber mit nichten, dass es problematisch wäre. Die VeChi Studie fand zuletzt heraus, dass einzig vegane Kinder genügend Eisen zugeführt bekommen, omnivore Kinder hingegend nur unzureichend. Ein bisschen Vitamin C zum Pflanzeneisen (z.B. frisch gepresster Orangensaft) hat nicht nur positiven Effekt auf den Vitamin C Haushalt, sondern auch auf die Eisenaufnahme. Kräuterblut (Pflanzengetränk) ist besonders eisenhaltig und wird bei Frauen oft gegen Eisenmangel während der Periode von Frauenärzten empfohlen. Fleischkonsum hingegen nur in den seltensten Fällen.

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