Vegane Weihnachten sind möglich! (zumindest etwas)

iDer Baum stirbt reich geschmückt im heimischen Wohnzimmer vor sich hin. Räucherkerzen und Kaminrauch füllen den Raum, es läuft Chormusik mit Kirchenhall. Vor dem Fenster schneit es. Ein dicker Mann mit rotem Mantel und weißem Bart verteilt reichhaltig Geschenke an die, die das gesamte Jahr lieb waren oder ein Gedicht aufsagen können. Oma holt den Braten aus der Röhre und die gesamte Familie versammelt sich um den Tisch mit Rotkraut, Klößen – als Krönung gibt es einen saftigen Gänsebraten.

Geht Weihnachten auch vegan?

… In meiner Idealvorstellung der Jugend sah der sogenannte, heilige Abend genau so aus. Das es rückblickend nie so muckelig und harmonisch war, ist erst einmal nebensächlich. Es gab aber immer Ente oder Gans. Manchmal auch Hase. DAS finde ich bedenklich, denn ich hatte nie eine Wahl als Kind. Fleisch war für mich völlig normal und ich wurde über das abstrakte Gebilde auf meinem Teller nicht weiter aufgeklärt. Irgendwie kam es vom Tier. Aufklärung darüber hinaus? Fehlanzeige.

Zeit, dass sich Etwas ändert.

Wie wäre es, wenn ein Weihnachten grundlegend vegan stattfindet? Abwegig? Eher nicht.

Rotkraut und Kartoffelklöße? Kein Problem. Selbst braune Sauce gibt es vegan – sogar schmackhaft. Aber: Ein guter Ersatz für Braten ist mir noch nicht auf den Teller gekommen.

Viele Jahre haben wir uns durch die vermeintlichen Ersatzprodukte gekostet. Vom Saitanbraten mit schlabberiger Masse über Mock Duck oder speziell gewürzter Tofu. Alles nicht sehr befriedigend im Gaumen, wenn ein Ersatz für einen Enten- oder Gänsebraten erwartet wird.

Gans Augen Nahaufnahme
Wäre gern nie gezüchtet worden oder weiterhin frei – (c) Amit Talwar on Unsplash

Veganer Ersatz für Ente oder Gans?

Nach so vielen Versuchen habe ich mich vom Gedanken verabschiedet, jemals einen Ersatz mit passender Konsistenz und Geschmack dafür zu finden. Es ist wie Ostern. Es wird nichts Gleiches geben. Am Ende ist das aber auch nicht so schlimm, denn ich möchte nicht das Gleiche. Es sind nicht mehr als anerzogene Geschmacksmuster, die uns von Kindheit an eingeprägt wurden. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern einfach, weil es Tradition ist und nie weiter darüber nachgedacht wurde. Aber wir leben nunmal in 2021 und der Stand der Wissenschaft und Ethik ist (zum Glück) so viel weiter als noch vor Jahren. Grund, genau da anzupacken.

Je nach dem, wo du wohnst, isst man auch Fondue, Raclette oder Bratwurst mit Kartoffelsalat. Manchmal gibt es Heilig Abend nur „normales Brot“ und erst an den nachfolgenden Weihnachtsfeiertagen die fetten Essen.

Wieso nicht mal etwas Neues ausdenken? Für Ostern gibt es schöne, vegane Hacks und Rezepte. Linsenbraten mit kräftiger Steinpilzsauce war bisher mein Favorit. Ein toller Rezept-Blog mit Ideen für vegane Weihnachten findest du bei Zucker und Jagdwurst. Drumherum lässt sich auch vieles veganisieren – ein paar tolle Tipps hat ProVeg parat, vor allem der selbstgemachte Kalender ist so viel geiler als diese alte billo Vollmilchschokolade aus dem Plastikbomberkalender mit kitschigen Weihnachtsmotiven aus dem Coca Cola Universum.

In dem Zuge möchte ich meine Meinung über vegane Weihnachtsmärkte verkünden:

Wer braucht denn bitte vegane Weihnachtsmärkte?

Schon einmal wirklich drüber nachgedacht?

Ich würde behaupten: Die meisten Menschen treffen keine bewusste Entscheidung über das Anerzogene hinaus. Zumindest beim Essen oder traditionsträchtigen Events wird nicht einmal über Alternativen nachgedacht. Darunter leiden vor allem die Tiere. Und wenn du Kinder hast: Kläre sie doch einmal davor auf, woher das Fleisch auf dem Teller kommt. Zeige Videos der Youtube-Kanäle von Ariwa oder Soko Tierschutz, wie aus einem Tier dieses Abstrakte Stück „Fleisch“ wird. Wichtig: Schau es dir vorher alleine an und entscheide, ob dein Kind das sehen kann.

Hier findest du einige Dokumentationen und Filme über die Situation der Tiere. Oder traust du dich nicht?

Vegane Youtuber – das sind die 11 besten ohne Schwurbelei

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Hinno

Ich mag deine (eure?) schmissigen Texte. Ein Hoch auf die kleinen Blogs, die noch etwas zu sagen haben. Leider ein seltenes Gut im „Neuland“.