Missionieren oder Stillschweigen – wie macht man es als Veganer*in richtig?

Lesezeit ca. 3 Minuten

 Das ist doch mal ein interessantes Thema, was da in einer der wenigen sinnvollen, veganen Facebook-Gruppen diskutiert wird: Wie weit soll bzw. darf man als Veganer*in im Alltag gehen? Missionierende Menschen haben nirgendwo ein gutes Ansehen – rechtfertigt der Veganismus das jedoch mit seinen guten Gründen? Oder ist vorleben die ideale Form von “Aktivismus” – denn auch nichts tun kann Wirkung zeigen. Wie geht man aber am besten vor?

Blinder Aktionismus

“Woran erkennt man einen Veganer? Er erzählt es dir!”

Du hast diesen innovativen Witz sicher schon einmal gehört. Brüller! Leider ist was Wahres dran. Denn gerade in der Anfangsphase sind viele so überwältigt von den Infos über die Misstände dieser Mischkost-Welt, dass man nicht anders kann. Man platzt an den unpassendsten Situationen mit der Info raus. Und da ist es, das Unverständnis für deine Lebensweise.

So ging es mir auch, wenngleich ich es als nicht so ausufernd und langwierig empfunden hatte, wie ich es bei anderen in den sozialen Medien immer wieder sehen muss.

Vor allem musst du es manchmal sagen, beispielsweise im Restaurant, denn du möchtest kein Tier im Essen.

Dein Problem ist absofort: Viele Mischköstler fühlen sich jetzt durch deine bloße Anwesenheit angegriffen. Sie feuern zurück. Sei es aus unterschwellig schlechtem Gewissen oder einfach, weil sie es nicht besser wissen. Sie fangen ihrerseits an, Essen und Lebenseinstellung von dir madig zu machen, eben „weil deine Mitveganer*innen das auch immer tun“.

Falscher Aktivismus

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: Du argumentierst dich aus der Situation, oder du sagst nix. Ich hoffe, du gehörst zur ersteren Gruppe. Natürlich ist Vorleben super. Wenn man aber grundlos angefeindet wird oder mit hanebüchnen Argumenten beworfen wird, kann man doch etwas sagen und nicht durch Kleinbeigeben der anderen Seite Recht zusprechen.

Wenn du allerdings zur Gruppe der Veganer*innen gehörst, die anderen wirklich auf den Sack gehen und ungefragt dümmliche Parolen wie “Omnomnom, Antibiotika und Gensoja!” oder “Na, schmeckt dir deine Leiche?” oder “Wusstest du, dass du deinen Kaffee grad mit Eiter und Blut befüllt hast” raushaust, haben wir als vegane Bewegung echt … ich kann es nicht anders sagen: verschissen. So stellst du uns allen ein Bein und jede Kritik ist berechtigt.

Überleg mal

Würdest du gerne so angesprochen werden? Vielleicht dein erster Kontakt zu der „Szene“? Slow Clap.

Stiller Aktionismus

Ruhe_Silence_shhhh_pssst_2725302Stillschweigen. Die krasse Gegenseite bilden die Menschen, die am liebsten gar nicht erzählen, dass sie sich nun rein pflanzlich ernähren bzw. vegan leben. Die Gründe sind in der Regel:

  1. Unsicherheit bei Argumentationen
  2. Andere sind „egal“
  3. nicht missionierend rüberkommen

Das sind alles für mich nachvollziehbare Gründe. So richtig helfen wird man damit aber keinem, denn du bist als Einzelkämpfer zwar für dich verantwortlich, aber die Gesellschaft wird den Wandel in dir und die Gründe nicht mitbekommen.

Dagegen hilft: Wissen!

Lies fachlich korrekte Bücher, schau sinnvolle Youtube-Kanäle, höre gute Podcasts, lies tolle Blogs (hust, trockene Luft hier). Pass auf, dass du dich nicht mit Schwurbeleien oder „einfachen Wahrheiten“ einlullen lässt und checke immer mal gegen, ob du nicht gerade nur deinen pro-veganen Confirmation Bias befriedigen willst.

Dann kannst du an der richtigen Stelle den Mund auf machen und mehr Gutes tun.

Richtiger Aktivismus

esoterik meditation muddha 1384758Du musst jetzt nicht Demos oder Mahnwachen vor sog. Ställen oder Schlachtereien (Vegansprech: Tierfabriken) besuchen. Wenn du Bock drauf hast: Go for it! Das kostet nicht nur Zeit, sondern jede Menge emotionale Stärke und Energie. Viele gehen daran kaputt. Deswegen immer ruhig angehen. Rantasten. Wenn es nix ist, dann ist das okay. Ich kann es auch nicht.

Es gibt andere Wege!

Schreibe einen Blog. Hüstel. Oder engagiere dich bei Instagram, Facebook, Youtube, also generell im Netz, betreibe Infoständen von lokalen Verbänden.

Das Wichtigste am Aktivismus ist:

Verbreite keine Falschinfos!

Das macht uns alle lächerlich und macht jede Arbeit von Gleichgesinnten kaputt. Informiere dich also gut über die Gegebenheiten. Das ist nicht immer einfach, ich weiß. Im Netz steht viel Müll. Deswegen habe ich eine (wachsende) Liste mit seriösen Portalen im Netz für dich zusammen gestellt.

So kannst du der Ohnmacht über Tierleid, Umweltschäden, Gesundheit oder Welthunger besser begegnen.

Und wenn du keine Ahnung hast (oder es vermutest), dann sag es einfach. „Darüber habe ich keine fundierte Sachkenntnis“. Du glaubst gar nicht, wie sehr das dein Gegenüber beeindruckt. Füge noch ein „Ich recherchiere gern und gebe meine Meinung dazu später ab“.

Idealer Aktionismus

Das Problem an beiden extremen Formen. Keinem ist geholfen, wenn du dich im stillen Kämmerlein vergräbst, genau so ist es aber auch, wenn du mit dem Vorschlaghammer unsachlich jeden volllaberst. Beides ist ineffektiv, wenn du etwasgegen die Ungerechtigkeit unternehmen willst.

Manchmal must du die Wut einfach runterschlucken. Gelingt mir auch nicht immer. Dann schreibe ich in meinem Blog. 😉

Disclaimer: Nutripunk.de ist werbefrei, unabhängig und geht keine Kooperationen ein.

Nutripunk.de ist kein Arzt und ersetzt keine ärztliche Beratung. Es gibt maximal Tipps aus eigener Erfahrung, die nicht allgemeingültig sind. Wenn du krank bist: Geh zum Arzt und such nicht im Netz nach Lösungen!

Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei